Sonntag, 30. März 1986

Karwoche 1986

Beginnen möchte ich mit einem Gleichnis:
Sicher kennt Ihr alle die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung.
Als ich hierherfuhr, hatte ich weder Fische noch Brote mit, nur ein bißchen Freude im Herzen und ein kleines Stückchen Sonne, Sonne der Erinnerungen an vergangene Karwochen.
Hier war noch Winter, es war kalt und nass draußen;
wie sollte das wohl werden?
Ich entließ ein kleines Stückchen Freude aus meinem Herzen und bekam sie mehrfach zurück.
Da verschenkte ich ein wenig Sonne der Erinnerung und es wurde warm.
Und im Verlauf dieser Woche erlebte ich soviel Sonne und Freude, soviel Liebe und Wärme,
dafür möchte ich Euch danken!


Die Woche begann mit Sorgen und Plagen:
Wer könnte uns denn etwa sagen,
wie man hier Messe halten soll?
Bischof Manfred war ganz sorgenvoll
und kam zu mir mit seinem Leide,
daß ich ihn von dem Gram befreite!

Ich weihte den Pfarrer Tasler ein,
denn ich dachte mir, es könnte doch sein,
daß der, dem die geistliche Leitung obliegt,
am eh’sten ‘was vom Kollegen kriegt.
Doch der war taub, sprach nur vom Gebet:
Er war überzeugt, das hilft und es geht.

Tatsächlich erwies sich die Meinung als richtig,
das Gebet erwies sich als sehr wichtig,
denn es vermag, ohne Finger zu rühren,
die fehlenden Sachen nach Franken zu führen.
Die Finger rührten der Manfred und ich,
Johannes hat Ruhe. Das wurmte mich.

Als wir dann alles hergekarrt,
da hat der Müller uns genarrt:
„Ätsch,“ sagte er, „s’ist alles da,
nicht alles ist in Voitsumra.
Ihr könnt schon eine Messe halten,
sogar in beiderlei Gestalten!“
Der Schelm, der hatte uns nur geneckt,
die Sachen war’n bei ihm versteckt
und erst, als ich Ersatz schon hatt’
vom lieben Pfarrer in Weißenstadt,
brachte er sie freundlich an. -
Gern hätt’ ich ihm ein Leid’s getan!

Gleich zu Beginn tat ich mich bedanken
für die schönen Tage hier in Franken;
unter anderm auch beim Wetter.
Das nehm’ ich zurück. Ich fände es netter,
wenn sich’s Wetter bedankte, geschwind,
daß wir ihm nicht mehr böse sind!

Es folgt in der Folge von Gedichten,
nun eine Reihe von Geschichten:

Heut’ Morgen hab’ ich im Garten entdeckt
vier Hasen, die haben die Nester versteckt.
Es waren die Christl und die Irene,
der Heribert begleitet jene.
Den dreien ging ganz emsig voraus
ein ausgefuchster Hase namens Klaus.

Des Parkes allerschönste Zier
sind alte Karossen mit Klopapier.
Und gäb’s nicht den Regen, den nassen,
würde es mir bestens passen,
mit wehenden, fliegenden Bandeln
benzingetrieben durch’s Land zu wandeln.
So aber bitt’ ich: Packt mich wieder aus,
sonst trau’ ich mich nicht mehr nach Haus!

Hilde Hejl kam angefahren
und als wir alle versammelt waren,
erzählte sie von URZIDIL
und brachte auch der Beispiel’ viel’.
Doch eins hat nicht ganz hingehaut:
Es war die - total - verkaufte Braut.

Sie taten gründlich vorbereiten
den längsten Kreuzweg aller Zeiten.
Er solle münden, planten sie,
in die Karfreitagsliturgie.
Der Wind, der hemmte uns’re Schritte,
doch Stingl ging in uns’rer Mitte,
er ging voraus, das half uns viel
und so erreichten wir das Ziel.
„Gültig“ war’s - wenn auch verkürzt.
Ein’s hat die Sache noch gewürzt:
Die drei, die eingeteilt zum Lesen,
taten, als sei nichts gewesen!

Kaum kam ich hier in Franken an,
kriegte ich den Belegungsplan.
Der war sehr gut und ausgefeilt,
es war auch alles eingeteilt.
Dann kamen Wünsche uns’rer „Kleinen“,
die brachten mich beinah’ zum Weinen
und ich verlegte immer neu,
damit auch alles richtig sei.
Noch heut’ erwach’ ich in der Nacht:
Hab’ ich auch alles recht gemacht?

Des Herrn Müllers ganzer Stolz:
vom alten Haus das Fachwerkholz
und die neuen Küchenräume,
von denen er schon lange träume.
Doch mancher fragt sich, ob im Mai
wirklich schon Eröffnung sei?
Gestern Abend hat der Abt
mit uns seinen Spaß gehabt.
Er schöpfte und spritzte das Osterwasser,
als wär’ er ein ganz reicher Prasser.
Und als die Weih’ vorüber war,
stand grinsend er bei dem Altar.
Mich durchfuhr ein Satz, ein banaler:
Er ist halt ein Lausbub, ein klerikaler!

30. 3. 1986

Sonntag, 7. April 1985

Karwoche 1985

KULTUR- UND BEGEGNUNGSTAGE DER ACKERMANN-GEMEINDE
VOM 30. 3. BIS 8. 4. 1985

Heut’ möcht’ ich mich bei Euch bedanken
für die schönen Tage hier in Franken.
Ich erklärte mich bereit,
daß ich diese Tage leit’
und dieses brachte mir viel Freude,
daß ich bis jetzt es nicht bereute.

Kaum hatte ich einen Gedanken gedacht,
da war die Sache auch schon gemacht
und oft war etwas ausgeführt,
noch eh’ ich meinen Mund gerührt.
Ihr ward mir echte Mitarbeiter,
ward niemals sauer, immer heiter
und - was ich ganz besonders rühm’:
Ihr ward noch mehr - Ihr ward ein Team!
Nie gab es Streit und nie Gezänk!
Wenn ich an soviel’ Leute denk’,
da will’s mir wie ein Wunder scheinen,
daß kaum man hörte Kinder weinen.

Nun möchte ich Herrn Müller danken
für die schönen Tage hier in Franken.
Herrn Müller - und mit ihm pauschal
zugleich dem ganzen Personal.
Was Haus und Küche uns geboten,
verdient die allerbesten Noten!
Ich kann nur e i n e s ihm anlasten:
Wer kann bei so viel Gutem fasten?

Nun möchte ich dem Wetter danken
für die schönen Tage hier in Franken.
Wie Wammerl war es - schön durchwachsen,
teils zart, zum Teil auch Fett und Flachsen.
Doch, kam’s drauf an, zeigt’ es sich wonnig:
dann war es windstill, warm und sonnig.
Kein Tag war diese Woch’ so schlecht,
daß man nur d’rüber schimpfen möcht’.

Last, but not least, will dem ich danken
für die schönen Tage hier in Franken,
der bei uns war, in uns’rer Mitte,
als der unsichtbare Dritte.
„ER“ leitete uns auf unseren Wegen
und war bei uns mit seinem Segen.
„ER“ gab uns Frieden, gab uns Kraft,
hat in uns neuen Mut geschafft!

Der letzte meiner Versgedanken
an diesem letzten Tag in Franken
gilt diesem Abend hier mit Ihnen:
Mög’ er vor allem dazu dienen,
Freude und Frohsinn zu erwecken,
Sorgen und Kummer zu verstecken.
Fangt an mit Spielen, Lachen, Singen!
Ich wünsche uns ein gut Gelingen!

7. 4. 1985

Sonntag, 3. April 1983

Karwoche 1983

KARWOCHE FRANKEN 1983
DIARRHOE DETERGENTIARUM (SPÜLMITTEL-DURCHFALL)
ODER
INFECTUS VIRIS BESTIALITERIBUS
(ANSTECKUNG DURCH ÜBERAUS BESTIALISCHE VIREN)

Die leuchtende Ausnahme der Alltagsepoche
ist für mich die Franken-Begegnungswoche,
die alljährlich stattfind’t im Hackerhaus.
Und dafür von mir ganz herzlich Applaus.

Es war vor acht Tagen - am Samstag Abend -
draußen rieselte der Schnee -
die heiße Suppe schien so labend -
doch zuviel Salz - oh Ach, oh Weh!

Am Sonntag mundete das Essen
und ich hielt’ es für vermessen,
wollt’ ich durch Kritik entweih’n
was geschmeckt hat. Es war fein!

Der Montag verlief - was das Essen angeht -
noch völlig ohne jede Bedeutung
und auch der Dienstag übersteht
das Forschen ohne jede Deutung.

Doch am Dienstag - gesteh’n wir’s uns ein -
da fuhren wir ins Bergwerk ein.
Wir stocherten in den Eingeweiden
der Erde. - Und sie musst’s erleiden!

Sie hat sich bitterlich gerächt
an vierzig Prozent uns’rer Gruppe.
Die hat sie fürchterlich geschwächt -
die andern war’n ihr schnuppe.

Am Mittwoch haben wir Ausflug gemacht,
wir haben geguckt, gescherzt, gelacht. -
Am Ortsschild hab’ ich Mähring gelesen,
doch ich glaub’, ich bin in Kotzau gewesen.


Ich erreichte Franken mit Müh’ und Not,
in mir war jede Freude tot - - -
ich kniete, weil mir der Mund überquoll -
da hatt’ ich die Hose auch noch voll!

Das Weitere möcht’ ich verschweigen;
schnitt’s mir auch im Darm wie Messer -
ich beschloß, es mir zu zeigen
und sagte keck: „Mir geht es besser!“

Tatsächlich ging’s mit mir bergauf.
Die Gliederschmerzen hörten auf
und auch der Durchfall ging zurück -
Wie schön war’s jetzt! Ich war voll Glück!

Ich hoff’, auch Ihr seid wieder „xund“
und von der Diarrhoe genesen.
So habt auch Ihr zum Feiern Grund. -
Kommt also her an meinen Tresen
und deckt Euch ein, mit Bier und Wein -
und dann lasst uns recht lustig sein!



3.4.1983

Samstag, 3. April 1982

Karwoche 1982

Sehr verehrte Damen und Herr’n!
Hier stehe ich und hätte gern -
rückblickend auf die letzte Woche,
quasi als fertige Epoche -
mit ein paar Versen, selbstgemacht,
einige Dinge dargebracht.

Am Samstag kamen wir hier an,
gemischt, als Kind und Frau und Mann
und haben schnell Quartier bezogen.
(Auch war das Wetter uns gewogen.)
Wir war’n im Pfarrer-Hacker-Haus
und packten uns’re Koffer aus.

Der Sonntag zeigte sich mit Sonne
und lockte uns hinaus - o Wonne -
in die strahlende Natur.
Eine ganze Kolonne fuhr
zum Fichtelsee, ging dort spazieren,
tat eifrig Waldluft inhalieren.

Am Abend erfreuten uns Sänger von Rang
mittels Platten mit ihrem schönen Gesang.
Auch wir übten täglich gemeinsames Singen,
wollt’s uns auch oft nicht recht gelingen.

Singe, wem Gesang gegeben,
Gesang verschönt das ganze Leben -
und so ist auch kein Tag vergangen,
an dem wir nicht gemeinsam sangen.

Was wir versäumt am Vormittag,
holten wir abends im Stüberl nach.
Dort hatte Dienst das Paar vom Tage,
doch war das, glaub’ ich, keine Plage.

Am Montag fuhren wir erfreut
durch das Örtchen Konnersreuth,
besuchten dort die Grabesstätt’,
der Therese letztes Bett.

Und in der Bibliothek Waldsassen,
wo wir alles um uns vergaßen,
sogar das Fotografierverbot,
hatten zwei Schwestern mit uns ihre Not.

Dann ging es noch zum Grenzlandturm.
Dort wehte ein ganz hübscher Sturm
von dem Böhmerwald herab,
brachte uns ganz schön in Trab.

Der Ausflug am Dienstag zur Quelle der Saal’
wurde zwar nicht für die Seele zur Qual,
doch mußte ein Urwald werden durchquert
und sehr viel Wasser und Schnee hat gestört.

Oft ging es über Stein und Stock,
gehoben werden mußt’ der Rock.
Ein Kind, das sich in den Bach gebettet,
wurde noch schnell vor’m Ertrinken gerettet.

Der Mittwoch war kein reiner Segen;
es zeigte sich der Tag mit Regen.
Wer früh den Vortrag vom Abt verfehlte,
bekam deswegen keine Schelte.
Nur, wer den Vortrag schon vernommen,
hat nochmal das Gleiche zu hören bekommen.

Am Donnerstag war es dann soweit:
Es war kalt, es hat geschneit
und wegen dieser Winterschmerzen
brannten zur Messe keine Kerzen.

Seitdem hat Mesner blauen Fleck
durch Rippenstoß von Opasek.
Doch vorher - und das muß ich sagen -
tat sich ein Dutzend Leute plagen!

Die machten einen Großeinsatz,
zu reinigen den Feuerplatz.
Der ganze Schmutz von ein paar Jahren
wurde aufgeladen und weg gefahren,
wodurch sich verschoben hat gehabt
die Dichterlesung von Vater Abt.

Er hatte Verständnis, ihn hat’s nicht gestört,
und wir hätten gerne noch mehr gehört,
als er tags darauf Gedichte vorlas
und erzählte, daß man die Uhrzeit vergaß.

Am Karfreitag war es frisch
und zu den Mahlzeiten gab’s Fisch.
Fisch will bekanntlich schwimmen -
doch es scheint was nicht zu stimmen,
das Stüberl war - ich sag’s verdrossen -
an diesem Tag schon wieder g’schlossen.

Was Wunder, daß der Umsatz groß,
als gestern wieder alles floß.
Zu sechzig Prozent aus Wasser besteht
der Mensch, sofern es normal zugeht,
doch ist er vertrocknet und ohne Ruh’,
hat das Stüberl zwei Tag’ nacheinander zu! -

Karfreitag Abend - Passion von Bach.
Der Besuch war ziemlich schwach
und manche gingen mittendrin -
zu Bette wohl - wo sonst denn hin?

Nun hab’ ich etwas nachzutragen,
das möcht’ ich unbedingt noch sagen:
Das Kommen der einzelnen Personen
erinnert an Tröpfcheninfusionen;
erheiternd wirkt es, höret man:
Der Letzte kam erst gestern an!

Karsamstag war seit alten Zeiten
die letzte Frist, Ostern vorzubereiten.
Der Abt und der Richter fuhren zur Stadt,
zu besorgen das, was bestellt man hat.
Zum Schrecken des Mesners brachten sie nichts dergleichen -
außer ein paar vollen Bäuchen.

Doch muß den Richter ich sehr loben:
Nie zeigte er sich so - „herab von oben“ -.
Er hat seine Sache sehr gut gemacht
und immer gerne mitgelacht.

Am Abend war es dann soweit:
Ein Scheiterhaufen stand bereit,
das Osterfeuer zu entzünden,
die Auferstehung zu verkünden.

Doch, es schneit im Dörflein Franken,
und voller skeptischer Gedanken
blickt man zum Platze, den man kennt.
Ob das Feuer wohl auch brennt?

Ein Lob dem Oberfeuerwerker,
dem Müller, denn der war viel stärker,
als des Winters letztes Zucken
mit Sturmgebraus und Flocken spucken.

Hellauf loderten die Flammen,
fraßen Holz um Holz zusammen.
Doch heute morgen war noch Glut
und die Kinder fanden’s gut.

Sie schürten und heizten den wärmenden Schimmer
ich glaub’, das Feuer brennt noch immer!
Mög’ in uns es weiter brennen,
denn morgen müssen wir uns trennen.

Ich komm’ zum Schluß und möcht’ es wagen,
etwas auf „bömmisch“ Euch zu sagen:
Des bömmischen Löwen Dóppelschweifigkeit
is’ sich héraldisches Pródukt von íebergrosser Freindlichkeit!

Samstag, 30. Januar 1982

GPS Aschau 1982

Ein paar von Ihnen kennen mich
vom Vorjahr her, ganz sicherlich,
wo ich zum Faschingsseminar
brachte ein paar Verse dar.

Mit ein paar frischgeback´nen Sätzen
fang ich jetzt einfach an zu schwätzen,
über das, was wir vernahmen,
seit wir hier zusammenkamen.

Der Bericht aus dem Landtag gestern Abend
war unterhaltsam und erlabend,
denn das Erziehungs- und Unterrichtswesen
soll von der A Sch O nun genesen,
damit zur Schand´ nicht wird ein „Schanderl“
in unser´m lieben Bayernlanderl.

Des weiteren war zu vermerken,
daß die Errichtung von Kitsch-Kunstwerken
in Zukunft auch dem Zivilist -
nicht nur dem Staat - gestattet ist.

Es folgte eine ernste Chose:
Der Wohnungsbau für Arbeitslose.

Zwar liegt der Sozialpfandbrief
auf Bundesebene noch schief,
doch will man Faulenzer belohnen
durch das Programm „Sozialer Wohnen“!

Die Diskussion erbrachte dann
die Sache mit dem Türkisch-Mann.
Die Türken werden mehr und mehr! -
Der Prinz Eugen muß wieder her!

Anschließend mußten wir verdauen,
dass in der BRD die Frauen
beileibe keine Neger sind;
woran ich keinen Zweifel find´!

Schließlich war es schon nach Zehn
und man fing an, ins Bett zu geh´n.
Ein paar Leut´hab´n sich sehr geschunden,
sie brauchten dazu noch drei Stunden.

Mit einem Kanon fing alsdann
am andern Tag die „Arbeit“ an.
Zuerst war da der Ökonomismus,
dicht gefolgt vom Kollektivismus,
die Zonen des Elends folgten sodann -
es fing also mit den Konfliktfeldern an.
Arbeit. - Arbeit! Wer hätte gedacht,
daß Arbeit soviel Arbeit macht!

Eineinhalb Stunden nur Arbeit, oh Qual,
eine halbe Stunde für´s Kapital!
Dies Verhältnis paßt zu uns´ren Kreisen,
täglich auf´s Neue tut sich´s erweisen:
Sehr viel Arbeit muß man erbringen
um ein klein wenig Kapital zu erringen!

Der Aktionär ist dumm und frech.
(Und außerdem hat er meistens Pech!)
Dumm ist er, weil er Aktien erlangt
und frech, weil er dafür Geld verlangt!

Ein Tonbild beschloß den Samstag-Morgen,
besschrieb noch einmal Arbeit und Sorgen.
Ein Lichtblick war das Mittagessen -
Arbeit (und Regen) war´n für´s Erste vergessen.

Ich übergeh´ den Nachmittag. -
Vier Leute hatten ihre Plag´,
ihre Thesen zu beweisen
in vier verschied´nen Arbeitskreisen.

Und morgen? Morgen? Was da ist?
Ich weiß nicht, ich bin kein Futurist,
bin nicht Prophet, nur Konsument,
bin daher hier auch schon am End´
und will mich jetzt damit begnügen,
zu wünschen Euch noch "Viel Vergnügen!"

Samstag, 16. Mai 1981

Christian Popp 60

HYMNUS LAUDATIONIS
PRO CHRISTIANUM POPP,
DIRECTOR MUSICAE ECCLESIENSIS,
PROPTER DISTRIBUTIONEM NUMMI HONORIS
DE LITTERA C PASTORALITER
AD DIEM NATALEM SEXAGINTAM.


Zu Deutsch:
Loblied
für Christian Popp,
Kirchenmusik-direktor,
wegen der Verleihung
des Ordens
vom pastoralen C
zum 60. Geburtstag.


Bevor ich geh’ in medias res,
gesteh’ ich, daß ich sehr nervös,
dieweil ich sehr gewissenhaft -
und manche Daten fehlerhaft.

Ich möchte mich entschuldigen,
eh’ ich beginn’ zu huldigen
und gebe Kritikern gemessen
die zwei folgenden Adressen:

Günter Reischl, der tenorige,
honorige, motorige,
versuchte in zwei langen Stunden
alle Umständ’ zu erkunden;
doch lag, wie’s scheint, ein böser Fluch
auf diesem Anzapfungsversuch.

Objekt war Popp, die altige,
gesangs- und stimmgewaltige,
die sich, dank Datenschutzgesetzen,
erfolgreich konnte widersetzen,
sodaß die Antworten vieler Fragen
mosaikartig mußten zusammengetragen,
sortiert, filtriert, geordnet werden.
Soweit die Adressen für Beschwerden!

Nun geh’ ich’s an, bin nicht zu halten,
will jetzt mein Loblied frei gestalten.
Die Einleitung habt Ihr vernommen,
so laßt uns jetzt zur Sache kommen.

Die „Sache“ erblickte das Licht der Welt,
als wertlos wurde deutsches Geld,
als die Währung wurde ranzig.
Das war im Jahre einundzwanzig.

Als Sohn von Eltern, sehr gestrengen,
beugte er sich deren Zwängen
und fernab jeglicher Lausbubenstreiche
spielt’ er drei Stunden täglich „Geiche“.
Ich könnte Zeugen lassen nahen,
die nie ihn ohne Kasten sahen.

Er war ein äußerst braves Kind,
wie man so leicht kein zweites find’t
und dank seinem großen Fleiße
errang er Virtuosenpreise
und konnt’ - so konnt’ ich’s eruieren -
mit sechzehn schon Musik studieren.

Namhafte Musikpädagogen
haben ihn musisch groß gezogen.
Er lernte - und es machte Spaß! -
besonders bei Professor Haas.

Als er gerad’ besonders fleißig,
kam Krieg, im Jahre neununddreißig.
Und statt Pauken und Trompeten
dröhnten Kanonen und Musketen.
Es verstummten alle Geigen.
Das weitere will ich verschweigen.
Schließlich, in Kriegsgefangenschaft,
erwies sich als rettende Eigenschaft
die Fähigkeit, zu improvisieren,
fehlende Stimmen zu komponieren
(den Russen so zu imponieren).
Arrangements frei zu gestalten,
das konnte ihn letztlich am Leben halten.

Kaum wieder da, versammelte er in Scharen
alle bayerischen Musiker, die arbeitslos waren,
um in München, mit ihm selbst an der Spitzen,
zu bewirken ein erstes „Opernaufblitzen“.
So konnten sich gegenseitig retten
er - und die Bühne der Marionetten.
Und bald schon - es kommt mir fast märchenhaft vor -
da war er sein eig’ner Theaterdirektor.

So gingen ein paar Jährchen hin,
mal mit Verlust, mal mit Gewinn,
wobei ihm treu zur Seite stand
die Frau, mit der er sich verband.
Sie war ihm stets ein guter Geist,
was sich auch heut’ noch oft beweist,
denn, wenn er ihr die Meinung geigt,
ist sie’s, die liebend, duldend schweigt.

Gar viel verdankt er seiner Frau;
sie führte die Bücher stets peinlich genau,
hielt jeder Rechnungsprüfung stand.
Geschäftstüchtig, exakt, gewandt,
erfaßte sie alle Spesen und Kosten,
trug ein ihm den Opernrevisorposten.

Es folgten noch Konzerttourneen.
Ihr solltet die Kritiken sehen,
sie waren stets des Lobes voll;
mit einem Worte: einfach toll!
Ein Höhepunkt in seinem Leben!

Doch hört! Er fand noch Zeit daneben
für den Kirchenchor St. Augustin.
Der konnte daraus Nutzen zieh’n,
an Ansehen wachsen und an Sängern
zum Wohl von vielen Kirchengängern.

Der Kirchenchor von Berg-am-Laim,
(wie find’ ich darauf einen Reim?)
zwar schon berühmt, scheut keine Mühen,
den Popp zu sich heran zu ziehen,
und er und ein paar gute Leute
werden St. Michael zur Beute.
Nun wirkt er hier als Chorregent,
obwohl er Größ’res leisten könnt’!

Mit großen Namen hier im Land’
verbindet ihn ein Freundschaftsband.
Dies geistig Band in seinem Leben,
gewoben wird es aus dem Streben
nach musikalischer Vollendung.
Aufgabe ist’s, Berufung, Sendung.

Es strahlt nach Müh’ und Plag’ zurück
vom Schaffensglück ein kleines Stück
und birgt in sich die große Kraft,
daß wieder er ‘was Neues schafft.
Wir wollen gern ihn unterstützen.
Mög’s ihm, uns, allen beiden nützen!

Schulmeistern liebt und kann er sehr
und kommt ihm etwas in die Quer’,
so wird er grob und ungebührlich.
Ich fürchte, ich werde zu ausführlich!

Nie ließe er sich daran hindern,
uns zu erzähl’n von seinen Kindern,
die außerdem viel besser wüßten,
wie sie den Mund aufreißen müßten!
Die eig’nen Kinder meint er nicht,
wenn solcherart er davon spricht.
Er meint die, die er unterrichtet.
Dies kund zu tun, bin ich verpflichtet.

Nun komm’ ich - es ist höchste Zeit -
zu seinem Verhältnis zur Geistlichkeit.
Es ist, das sage ich ganz offen,
geprägt durch sein gar innig Hoffen,
daß er schon fünf Minuten vor
dem Beginn hört, was der Chor
in einer Messe singen muß.
Jedoch der Liturgieausschuß
hat dies bisher stets hintertrieben.
So ist die Hoffnung ihm geblieben.
Man läge aber völlig schief,
sähe man das nicht positiv.

Die pop-music und Popp-Musik
sei Schlußstein in dem Mosaik
aus Vermutungen und Fakten.
Ich möcht’ mich in den nächsten Takten
mit dem Unterschied befassen,
der ganz leicht ist zu erfassen:
Er besteht aus einem „P“,
das, wenn ich es vor mir seh’,
mich beruhigt und friedlich stimmt,
das aber, wenn man fort es nimmt
mich gereizt und unruhig macht
und mich ärgert, daß es kracht!
Das eine „P“ verkörpert trennende Welten.
Ich hoff’, es mög’ die Popp-Musik noch gelten,
wenn nach der pop-music kein Hahn mehr kräht,
wenn sie schon längst vom Zeitlauf fort geweht!

Nun laßt uns, ohne viel zu schreien,
endlich den Orden ihm verleihen,
den Orden vom pastoralen „C“.
Ihr fragt, wofür das „C“ denn steh’?
Gern geb’ ich Antwort Euch, schweigt also still,
weil ich’s Euch nun genau erklären will:

C

Ihr seht vor Euch ein „C“ in Gold -
wie glänzt und schimmert es so hold!
Seht Ihr es so vor Eurem Blick,
so steht’s für Cäcilie, die Patronin der Musik,
ist daher stets in Gold zu tragen
an allen Sonn- und Feiertagen.

Wenn ich dies „C“
nun einmal dreh’,
so leuchtet’s silbern zu Euch hin
verbirgt auch so gar viele Sinn´:
So steht’s für Chor, für Chorregent,
und für ein ganzes Regiment
von Komponisten, deren Nam’
alle ein „C“ am Anfang ha’m.

Chopin, Casella, Cavaliere,
Cherubini, Casali - habe die Ehre! -

Cornelius und Chimarosa
Clementi, Corelli ...(wer mag da no sa?)
der Couperin und der Caccini ...
und ganz zum Schluß der Casciolini;
gewissermaßen am Totenbett.
(Sein Requiem ist gar zu nett!)

Soweit des „C“s hehre Bedeutung.
Es gibt noch eine and´re Deutung.
Nämlich: Das Gold steht für den Tag,
da man Casali aufführ´n mag.
Casali ist mit seinen Messen
für uns ein wahrhaft Sonntagsessen.
Werktäglich silbern und unbequem
ist Casciolini´s Requiem.

Dies, Christian, sei dir bewußt,
trägst Du das „C“ auf Deiner Brust!

So reich’ den Orden ich Dir dar
und wünsch’: Trag’ ihn noch viele Jahr’,
Dir und uns zu Freud´ und Nutzen.

Gelegentlich mußt ihn halt putzen!

Freitag, 30. Januar 1981

GPS Aschau 1981 - CAH

Ich bin kein Pastoralassistent,
bin auch kein Diakon.
Es ist nicht die Frage, ob ich´s könnt -
ich glaub´, Sie verstehen mich schon.

Ich bin - Sie sehen es mir an -
aus fernem Land ein Scheich.
Gebor´n im Lande Frankistan
im bay´rischen Bereich.

Verschied´ne von Ihnen kennen mich
bereits vom vorigen Jahr,
wo ich als Raucher ganz fürchterlich
und äußerst unzufrieden war.

Zwar rauch´ ich heuer immer noch,
hab´ mich kein´n Deut gewandelt
und blaue Wolken steigen hoch,
wenn man mit mir verhandelt.

Doch möchte ich vom blauen Dunst
kein Wort mehr heut´ verlieren.
Gepriesen sei die Verse-Kunst,
wenn´s gilt, zu kritisieren.

Nun fang´ ich an, sperrt auf das Ohr
und rückt mir jetzt ganz nah.
Fast steigt die Galle mir empor,
denk´ ich an C A H !

Da wird auf höherem Niveau
gegründet ein Vereinchen.
Zu welchem Zwecke? Sowoeso -
nur um zu sammeln Scheinchen!
Dabei gibt´s schon den V d K ,
die Kriegsgräberfürsorge-Leute,
die Caritas, das B R K -
sie alle wollen Beute!
Man sammelt für Innere Mission,
das Werk genesender Mütter,
die Arbeiterwohlfahrt will ihren Lohn -
nun sei ein Samariter!
Vergiß auch nicht Misereor,
die Aussätzigen, die Blinden,
die Tauben schreien dir ins Ohr,
appellier´n an dein Empfinden.
Last, not least, Adveniat.
Mit Liste, Korb und Dose
man´s auf dich abgesehen hat,
ob du Rock trägst oder Hose.
Nun soll zu dieser Vereine Schar
sich noch ein weiterer gesellen.
Als Unterverein der Caritas zwar,
doch höre den Hund ich schon bellen:
Erstens, man will ja nur dein Bestes,
und das ist überall gleich auf der Welt;
man will, ungeacht´t des verbleibenden Restes,
von dir nichts and´res, als dein Geld!
Zweitens - und da seh´ ich Schwierigkeiten -
man braucht deine helfende Tat!
Nun sollst du von Türe zu Türe schreiten
als sammelndes Laienapostolat.
Beschlossen hat es der Verband.
Das sind die Leut´ von „oben“.
Die Ziele lob´ ich rings im Land -
allein, die Tat kann ich nicht loben!
Glaubt mir, die Ziele sind stets groß!
So ist´s bei allen Vereinen.
Des Gründers Idee - so tadellos!
Die Arbeit machen die Kleinen!